Nachhaltiges Engagement für einen Erinnerungsort

An einem Besuch des Bundes­prä­si­den­ten nahmen der Lehrer Timo Ohrndorf und für die Projekt­gruppe des Heilig-Geist-Gymnasiums Würse­len Adna Sofic und Lisa Syben teil (rechts im Bild). Foto: Alexan­dra Sell

Bundes­prä­si­dent Frank-Walter Stein­meier war im Novem­ber 2025 bei der Deutschen Stiftung Denkmal­schutz in Bonn zu Gast. Zwei Schüle­rin­nen des Heilig-Geist-Gymnasiums Würse­len konnten dem Bundes­prä­si­den­ten bei diesem Anlass vom beispiel­haf­ten Einsatz junger Menschen für ein Denkmal in ihrer Region berich­ten: der langjäh­ri­gen Projekt­ar­beit für den Erinne­rungs­ort Villa Buth in Jülich-Kirchberg. 

Die Villa ist ein imposan­ter Gründer­zeit­bau, und er birgt ein dunkles Kapitel: 1941/42 diente er als Sammel­la­ger für Jüdin­nen und Juden vor ihrer Depor­ta­tion. Diesen Ereig­nis­sen wollen die Schüle­rin­nen und Schüler nachge­hen. Sie begin­nen im Schul­jahr 2017/18 in einem von denkmal aktiv unter­stütz­ten Projekt­kurs, die Geschichte der Villa zu erfor­schen. Dabei arbei­ten sie mit dem Stadt­ar­chiv Jülich, der Unteren Denkmal­be­hörde und der Jülicher Gesell­schaft gegen das Verges­sen zusam­men. Das Ergeb­nis: 2019 erscheint die Publi­ka­tion „Villa Buth – Zwischen­sta­tion zum Holocaust“ mit den Biogra­fien von 156 Opfern.

Danach bleibt die Villa Buth ein Lernort, Thema im Unter­richt und in der politi­schen Bildung am Heilig-Geist-Gymnasium. 2024 erscheint eine zweite Auflage der Publi­ka­tion. Und 2025 ist aus dem Projekt eine Podcast-Serie hervor­ge­gan­gen: „Die Villa Buth zwischen Vergan­gen­heit und Zukunft“. Das Projekt­team um Lehrer Timo Ohrndorf ist dafür mit dem renom­mier­ten Helmut A. Crous-Geschichtspreis 2025  der AKV Sammlung Crous in der Katego­rie Schüler ausge­zeich­net worden.

Aktuell bedroht ein mögli­cher Abriss der Villa die anschau­li­che Erinne­rung daran, dass hier in Kirch­berg einst das Juden­sam­mel­la­ger des Kreises Jülich einge­rich­tet war. In den Mittel­punkt ihrer Podcast-Serie stell­ten die Schüle­rin­nen und Schüler deshalb die Frage, welche Bedeu­tung der Villa als Erinne­rungs­ort zu Juden­ver­fol­gung und Holocaust zukommt. In zehn Folgen sprechen sie dazu mit Verant­wort­li­chen, Fachleu­ten und Zeitzeu­gen und binden ganz unter­schied­li­che Perspek­ti­ven ein. Die Serie ist in der Media­thek von NRWision zu hören.

Das anhal­tende Engage­ment des Heilig-Geist-Gymnasiums beweist anschau­lich: Lernen am Denkmal macht Geschichte leben­dig – und Jugend­li­che zu aktiven Mit-Gestaltenden der Erinne­rungs­kul­tur.

 
„Die intensive Auseinandersetzung mit der Geschichte der Villa Buth hat uns gezeigt, wie wichtig es ist, Erinnerungsarbeit aktiv zu gestalten. Die direkte Anerkennung durch den Bundespräsidenten und sein Zuspruch ‚Unbedingt weitermachen!’ sind für uns ein enormer Ansporn, dieses Projekt mit noch mehr Leidenschaft fortzuführen.
Dass der Bundespräsident unser Engagement für die Villa Buth so wertschätzt, bestärkt uns in der Überzeugung, dass unsere Stimme als junge Generation zählt – sein Appell, dranzubleiben, ist für uns Verpflichtung und Motivation zugleich, die Geschichte dieses Ortes lebendig zu halten.“

Adna Sofic und Lisa Syben