Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier war im November 2025 bei der Deutschen Stiftung Denkmalschutz in Bonn zu Gast. Zwei Schülerinnen des Heilig-Geist-Gymnasiums Würselen konnten dem Bundespräsidenten bei diesem Anlass vom beispielhaften Einsatz junger Menschen für ein Denkmal in ihrer Region berichten: der langjährigen Projektarbeit für den Erinnerungsort Villa Buth in Jülich-Kirchberg.
Die Villa ist ein imposanter Gründerzeitbau, und er birgt ein dunkles Kapitel: 1941/42 diente er als Sammellager für Jüdinnen und Juden vor ihrer Deportation. Diesen Ereignissen wollen die Schülerinnen und Schüler nachgehen. Sie beginnen im Schuljahr 2017/18 in einem von denkmal aktiv unterstützten Projektkurs, die Geschichte der Villa zu erforschen. Dabei arbeiten sie mit dem Stadtarchiv Jülich, der Unteren Denkmalbehörde und der Jülicher Gesellschaft gegen das Vergessen zusammen. Das Ergebnis: 2019 erscheint die Publikation „Villa Buth – Zwischenstation zum Holocaust“ mit den Biografien von 156 Opfern.
Danach bleibt die Villa Buth ein Lernort, Thema im Unterricht und in der politischen Bildung am Heilig-Geist-Gymnasium. 2024 erscheint eine zweite Auflage der Publikation. Und 2025 ist aus dem Projekt eine Podcast-Serie hervorgegangen: „Die Villa Buth zwischen Vergangenheit und Zukunft“. Das Projektteam um Lehrer Timo Ohrndorf ist dafür mit dem renommierten Helmut A. Crous-Geschichtspreis 2025 der AKV Sammlung Crous in der Kategorie Schüler ausgezeichnet worden.
Aktuell bedroht ein möglicher Abriss der Villa die anschauliche Erinnerung daran, dass hier in Kirchberg einst das Judensammellager des Kreises Jülich eingerichtet war. In den Mittelpunkt ihrer Podcast-Serie stellten die Schülerinnen und Schüler deshalb die Frage, welche Bedeutung der Villa als Erinnerungsort zu Judenverfolgung und Holocaust zukommt. In zehn Folgen sprechen sie dazu mit Verantwortlichen, Fachleuten und Zeitzeugen und binden ganz unterschiedliche Perspektiven ein. Die Serie ist in der Mediathek von NRWision zu hören.
Das anhaltende Engagement des Heilig-Geist-Gymnasiums beweist anschaulich: Lernen am Denkmal macht Geschichte lebendig – und Jugendliche zu aktiven Mit-Gestaltenden der Erinnerungskultur.