Die Projektleiterin:
„Bei den Schulhaus-Erkundungen in Kleinwallstadt fiel den Schülerinnen und Schülern auf, dass manche sofort als besondere Häuser zu erkennen sind, andere aber nicht. So waren sie überrascht, dass z.B. das ‚Neue Rathaus‘ nicht schon immer für die Verwaltung genutzt, sondern 1910 als ‚Neue Schule‘ erbaut wurde. Sie erkannten, dass die Gebäude Geschichten offenbaren, wenn man etwas genauer hinschaut und nachfragt. Die Schülerinnen und Schüler betrachten und zeichnen sie genau, interessant finden sie besonders die Verwendung des roten Buntsandsteins.
Die Geschichtsforscher merken, dass zur Beantwortung der vielen Fragen, die sie zu den Schulhäusern haben, Quellen wie z.B. das Lesen der Ortschronik, Befragung von Historikern, Recherche im Archiv, … genutzt werden müssen. Am ‚Neuen Rathaus‘ kamen sie mit einem Angestellten des Bauamts ins Gespräch, der ein Bild der Schule aus dem Archiv holte. Er zeigte ihnen die Veränderungen des Baus und erzählte, dass historische Bilder bei seiner täglichen Arbeit im Bauamt wichtig sind. Auch ein Vertreter des Heimat- und Geschichtsvereins gab einen Einblick in Bildarchiv-Material. Da er selbst in der ‚Neuen Schule‘ eingeschult wurde, konnte er über eigene Erlebnisse berichten - das löste einen regen Austausch aus. Dabei kam zur Sprache, dass einige Zeit ergänzend im Alten Forsthaus Schulräume genutzt wurden und dass es eine eigene Schule im Ortsteil Hofstetten gab. Diese Orte wollen wir in unsere Erkundungen einbeziehen.
Neben weiteren Zeitzeugen-Interviews gab es Arbeiten im Gemeindearchiv, einen Ausflug ins Schulmuseum sowie den Kontakt mit einem Historiker, der zur jüdischen Gemeinde Kleinwallstadts forscht.
Bei einer Gesprächsrunde im Seniorenheim hörten die Schüler*innen der AG Erzählungen der älteren Menschen genau zu und fragten immer wieder interessiert nach. Ein Schüler merkte an: ‚Der ältere Herr hat als Schulkind Kräuter für die Soldaten sammeln müssen. Als er mit anderen Jungs sie zum Aufhängen auf den Dachboden des Schulhauses brachten, schrien sie durchs Ofenrohr und erschreckten die Schüler in ihren Klassenräumen in den unteren Stockwerken.’
Die Geschichtsforscher waren davon beeindruckt, was diese Menschen erlebt hatten, dass Schule zu deren Zeiten ganz anders war, dass es Ernstes, aber auch Lustiges zu erzählen gab.
Bezüglich der Fragestellung ‚Wie lernten Kinder, bevor es Schulen gab?‘ kam die Burglandschaft ins Spiel. In der zweiten Hälfte des Projekts haben wir uns mit dieser Frage beschäftigt. Bei einer Exkursion zum Alten Schloss und anhand des nahen Klosters Himmelthal wurde dann das Lernen in Klöstern erkundet. Auch bei der Umsetzung der Schulhaus-Schnitzeljagd bzw. der Entdecker-App wurden wir von der Burglandschaft unterstützt.
Im Laufe des Jahres wurden die Kinder immer mehr zu Experten und wollten ihr erworbenes Wissen an ihre Mitschüler*innen weitergeben. So wurde eine Ausstellung mit Infotafeln erstellt, Ideen für eine Schnitzeljagd zu den historischen Schulhäusern gesammelt und letztendlich ein historisches Theaterstück entwickelt. Dieses auf Eigeninitiative der Kinder der AG Geschichtsforscher entstandene Projekt wurde von ihnen mit viel Engagement durchgeführt.“

Foto: M. Rölz, Kleinwallstadt